Monatsworte aus dem Newsletter...

 
 
September 2013
Frei von Religion - frei zur Religion - frei durch Religion
 
Kürzlich war ich als Vertrauensperson zweier Iraner Zeuge einer sechsstündigen
Befragung durch die Fremdenpolizei in Innsbruck. Es ging um die Glaubwürdigkeit ihres
Wunsches Christen zu werden. Es hagelte Fragen aus dem Katechismus - gestellt durch
österreichische Polizeibeamtinnen! Es war kein Interview, es war auf weite Strecken
ein entwürdigendes Verhör. Wer bei so was standhält, gehört schon deshalb als
mutiger Glaubenszeuge getauft. Kein durchschnittlicher Tiroler Christ muss je in
seinem Leben derart in Frage gestellt seinen Glauben verteidigen.
Frei  z u r  Religion in Tirol?
 
Ein zweites Blitzlicht: Hartnäckig spricht sich ein junger Mann dafür aus, Religion
aus der Schule und aus allen öffentlichen Einrichtungen zu entfernen. Kein Kreuz.
Kein Religionsunterricht. Kein Kopftuch. Am Ende erzählt er mir seinen Hintergrund.
Er wurde als Kind gegen seinen Willen und gegen den Willen seiner Eltern getauft,
weil die Großeltern es für notwendig hielten. Nun behaupte die Kirche, dass er -
unfreiwillig besiegelt - sich trotz Kirchenaustritt von der Taufe nicht mehr lossagen
könne. Frei  v o n  Religion in Tirol?
 
Am heutigen 13. September begehen wir den 700. Todestag einer Frau, die laut
Legende mit ihrem Sichelwurf für Unterbrechung sorgt. Aus religiöser Überzeugung
setzte die Hl. Notburga ein Zeichen gegen die Ausbeutung des Menschen durch
maßlose Arbeit und Gewinnsucht. Wer in der Dramatik der Weltwirtschafts- und
Finanzkrise die ungestillte Gewinnsucht als Zeichen der Zeit erkennen kann, wird
Notburgas religiösen Protest für die Würde und Freiheit des Menschen zu schätzen
wissen. Frei  d u r c h  Religion in Tirol.
 
Die katholische Kirche bekennt sich im II. Vatikanischen Konzil (1962-65) zur positiven
Religionsfreiheit = Freiheit zur öffentlichen Ausübung von Religion. Sie bekennt
sich auch zur negativen Religionsfreiheit = keine Vereinnahmung durch Religion
(vgl. Dokument über die Religionsfreitheit "Dignitatis Humanae"). Und sie bekennt sich
zur Freiheit durch Religion = zum Dienst an der Würde des Menschen, den Religionen
in die Gesellschaft einbringen (vgl. Dokument "Kirche in der Welt von heute" Gaudium et Spes 22).
 
Auf ein Arbeitsjahr des Dialoges und des Aufbrechens
freut sich mit herzlichen Grüßen
Bernhard
 
 


teissl Neujahr / Jänner 2013

Menschwerdung all inklusive?

Manche nutzen die Weihnachtswochen und fliegen auf Kurzurlaub an Südseestrände, die Prospekte versprechen gehobenen europäischen Standard „all inklusive“.

Zigtausende wiederum lassen sich auf unseren Pisten oder an überbordenden Hotel-Buffets von der Tiroler Gastlichkeit verwöhnen. Noch nie in der Geschichte waren weltweit so viele Menschen so nobel als TouristInnen unterwegs.

Auf unseren Flughäfen, auf unseren Bahnsteigen und an den Stränden Europas landen auch Menschen ohne Rückfahrticket. Dramatische Lebensbedingungen, politische Krisen, Hunger und Verfolgung zwingen sie zur Flucht. Viele haben Hab und Gut, ihre Familien, Papiere und Freiheitsrechte verloren, sie reisen „all exklusive“. Noch nie in der Geschichte waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht.

Eilige Beamte können frühmorgens den Platz vor der Wiener Votivkirche wohl optisch von Zelten säubern lassen, doch Migration und Asylsuche sind „Zeichen unserer Zeit“. Offene Fragen der Menschenwürde bleiben offene Wunden der Gesellschaft.

 

 

 

Vor 2000 Jahren wurde Jesu Eltern jede Gastlichkeit versagt. In einem unromantischen Stall geboren, mußte er schon bald vor Verfolgung nach Ägypten flüchten, so berichten die Evangelien.

Jesus hat die Erfahrung des Verlassen-Müssens und des Ausgeschlossen-Werdens gemacht, er reiste, lebte und starb letztlich „all exklusive“!

Das II. Vatikanische Konzil hat vor 50 Jahren kirchlich-ausschließendes Denken mutig überwunden und in Erinnerung gerufen: Gott will das Heil und die Würde aller Menschen.

Die Geburt und das Leben Jesu sagen uns: das Reich Gottes gibt s nicht exklusiv. Gottes Sympathie gilt allen Menschen „all inklusive“!

Menschen stoßen an innere und äußere Grenzen. Die Erfahrung Gottes beginnt dort, wo wir uns inmitten der Krippen der Menschheit und in den Krippen deines meines unseres Lebens vom exklusiv-befreienden Gott Jesu berühren lassen…

 

teissl31. Oktober 2012

"Geistesgegenwart"
Heute vor 495 Jahren, am 31. Okt. 1517, schlug Martin Luther angeblich seine 95 Thesen an die Schlosstüre von Wittenberg. Es ging um die kirchlich geschürte Angst vor dem Fegefeuer und den missbräuchlichen Ablasshandel u.a. zur Finanzierung des Petersdoms in Rom.

Es waren für das Christentum schmerzliche Jahrhunderte des Wandels von dominanter Einheitlichkeit hin zu einem Verständnis von Einheit in Vielfalt.

Heute existieren evangelische und katholische Schwesternkirchen, die z.B. miteinander Krankenhausseelsorge betreiben, gelegentlich gemeinsame Pfarrzentren bauen, ökumenische Gottesdienste feiern... viele Wege in Richtung Hand-in-Hand für die Menschen sind noch zu gehen!

Katholischerseits bedenken wir derzeit „50 Jahre II. Vatikanisches Konzil". Wir erleben seit Jahren Auseinandersetzungen zwischen Kräften, die das Konzil als Betriebsunfall bezeichnen und wieder ‚zurück' wollen und jenen, die von einem kirchlichen Pfingstereignis sprechen und sich besorgt fragen, wie denn unser christlicher Glaube für die Lebensfragen der heutigen Menschen „geistesgegenwärtig" sein kann.

 

Gibt es ein Zurück hinter die am Konzil beschlossene Religionsfreiheit, die allen Gemeinschaften die öffentliche Ausübung religiösen Lebens garantiert und zugleich niemanden dazu zwingt?

Gibt es ein Zurück hinter das respektvolle Miteinander der Religionen, wie es etwa in den interreligiösen Friedensgebeten von Assisi zum Ausdruck kam?

Gibt es ein Zurück hinter die Einsicht, dass die Kirche kein triumphierendes Haus voll Glorie, sondern eine pilgernde Gemeinschaft, ein bescheidenes und doch begnadetes „Zeichen und Werkzeug" für den Gott Jesu ist, der all unsere Vorstellungen unendlich übersteigt?

...fragt sich am Vorabend von Allerheiligen, 'allen Heiligen' aus allen Völkern, Kulturen und Religionen, die als Menschen mitten unter uns die Heiligkeit und Menschenfreundlichkeit Gottes lebendig werden lassen.

 
teisslSeptember 2012

Geheimnis Mensch
Vor einigen Tagen blicke ich bei strahlend blauem Herbstwetter im hintersten Zillertal von einer Hotelterrasse auf die „gefrorene Wand". Eine anwesende Pfarrgemeinderätin beschreibt ihre Heimat hier: „Wir leben im Paradies".
 
Ähnlich ein Achentaler kürzlich: „Wenn ich vom Urlaub aus dem Ausland zurückkomme, denke ich mir immer: nirgends so wie bei uns!" Ein Zeitungsbericht heute ergänzt: Österreich gehört zu den reichsten Nationen der Welt.
 
Dankbarkeit ist die Haltung, die das Gegebene erst in Glück zu verwandeln mag, schreibt der Benediktinermönch David Steindl-Rast.
 
Am Tag darauf zu Gast im Flüchtlingsheim am Eingang des Zillertales. Menschen erzählen
vom erschossenen Vater in ihrer Heimat und von verlorenen und wiedergefundenen Kindern auf der Flucht.
 
Gestern im Rehazentrum erlebe ich Menschen, die durch hartes Training Schritt für Schritt an ihrer Genesung oder wenigstens Stabilisierung arbeiten.
 
Das Lebensschicksal vieler Menschen bleibt Geheimnis, es läßt sich nicht einfach wieder gut machen. Doch die Begegnung mit ihnen gehört zum erfahrenen Reichtum dieser Woche.
 
„Der Weg der Kirche ist der Mensch", schrieb Papst Johannes Paul II. Und: Gott ist immer unterwegs zum Menschen und zugleich schon lange bei ihnen.
 
Auf der Suche nach dem „Geheimnis Mensch" kommt das "Geheimnis Gott"
dir mir uns entgegen

erfährt dankbar
Bernhard
 
teisslSommer 2012
 
Unablässig beten?!
Endlich Sommer und Sonne in Tirol! Viele genießen die warmen Tage und freuen sich...
 
Gott hat uns Menschen in diese wunderbare - manchmal auch schrecklich-leidvolle - Schöpfung hineingestellt, dass wir uns freuen und leben.
 
Dieses Geschenk dankbar anzunehmen - oder das Schmerzliche vertrauensvoll zu tragen - ist schon Gottesdienst.
 
Müssen wir darüber hinaus noch beten? Nein - „müssen" wir nicht. Wenn beten „müssen" heißt, dann denken wir lieber daran, dass Gott uns all das Leben frei und freudig schenkt ohne heimlich Gegenleistung zu erwarten.
 
Regelmäßiges ausdrückliches Gebet ist nicht jedermanns Sache. Gott ist auch im Kochtopf, in der Autowerkstätte, am Berg und in der Disco.
 
Menschen machen darin und darüber hinaus die Erfahrung, dass Gott sie sehr persönlich anspricht, sie in Dienst nimmt als „Zeichen und Werkzeug" seiner Liebe.
 
Das gilt für jeden Menschen zu besonderen Zeiten. Das gilt für manche Menschen in besonderer Weise.
 
Glaubende - Christen, Moslems... und Menschen guten Willens - haben zu allen Zeiten auf den Anruf Gottes auf ihre Weise geantwortet.
 
In Freiheit, in geduldiger Mühe, regelmäßig oder unregelmäßig. Durch ihren Dienst an den Menschen, durch Gebet und Feier.
 
Gebet ist die Erfahrung des Dienstes Gottes an uns. Gebet ist selbst noch einmal Geschenk und meine dankbare Antwort darauf.
 
Gott freue sich ohne Unterlass in deiner meiner unserer Welt...
 
...wünscht Dir mit sommerlicher Sonne im Herzen
Bernhard
 

teisslPfingsten 2012
 
Wir feiern das Fest des Ziehen-Lassens!
Nein - nicht die Markteinführung einer neuen Teesorte mit besonderem Aroma nach langem Ziehen-lassen.

Christi Himmelfahrt heißt nicht weniger als Gott gehen lassen aus unserer Welt. Es ist das Fest des Ziehen-Lassens vergangener Gotteserfahrungen, des Loslassens unserer liebgewonnenen Vorstellungen und Fixierungen.

Erst dann kann uns das tiefste Geheimnis unseres Lebens neu begegnen im Unerwarteten - die Bibel nennt es: Erfahrung des Heiligen Geistes.

Natürlich beziehen wir uns als ChristInnen auf den konkreten Menschen Jesus von Nazareth, auf seine Botschaft vom Reich Gottes und sein tragisches Schicksal in Palästina vor 2000 Jahren.

Doch: ChristInnen sind keine rückwärtsgewandten Wortklauber und Traditionskleber. Wir sind zu allen Zeiten herausgefordert, die Gegenwart Gottes im Neuen zu erfahren und zuzulassen.
Unsere Welt ist von rasantem Wandel geprägt, das verunsichert viele. Schwarz-Weiß-Maler in der Politik haben weltweit Hochkonjunktur. Da werden Asylanten - die Boten einer multikulturellen gemeinsamen Welt - leicht zu Opfern unserer Kleinkariertheit.

In allen Religionen sind fundamentalistische Strömungen auf dem Vormarsch: Gott wird festgeschrieben in vergangenen Zeiten, zugemauert mit den Grabsteinen unserer Sicherheiten.

Vereinfachte Lösungen und vereinfachte Wahrheiten aber werden uns im Leben nicht und im Glauben nicht stärken.

Pfingsten heißt:
...die Gegenwart Gottes in den Stürmen von heute erwarten
...geduldig die gegenwärtigen Sprachen Gottes erlernen
...die Glaubenssinne öffnen für das Aroma Gottes heute...

das erhofft mit dir
für deine meine unsere Welt
Bernhard
 
 

teisslApril 2012
Brannte uns nicht das Herz,
als er mit uns das Brot brach!“
 
Die Emmausjünger waren von Jerusalem aus unterwegs nach „Irgendwo“. Hinter ihnen Jerusalem, der Ort der Enttäuschung und des Schmerzes nach dem Scheitern der „Sache Jesu“. Vor ihnen Emmaus ein unbekannter Alltagsort...
 
Überraschend gesellt sich einer dazu, der mit ihnen geduldig den Weg vom Erzählen der Enttäuschung bis hin zu einer verwandelten Sicht der Ereignisse geht. Höhepunkt und gleichsam Zusammenfassung des Geschehens: „Am Brechen des Brotes erkannten sie ihn“.
 
Schon das geduldige Mitgehen Jesu war „Brotbrechen“. Brotbrechen geschieht nicht zuerst im Gottesdienst in der Kirche. Brotbrechen heißt vielmehr „Leben teilen“!
 
Die Botschaft von Emmaus sagt mir: Schau nach „Irgendwo“ in dieser Welt! Dort, wo radikal Brot gebrochen wird, wo Leben in Freud und Leid geteilt wird, ist der Auferstandene gegenwärtig - da geschieht Eucharistie!
Der Maler Sieger Köder zeigt uns den brotbrechenden Jesus in einer höchst gemischten Gesellschaft: beim Abendmahl mit dem Indio und dem Afrikaner, mit der asiatischen Frau, mit dem kritischen Intellektuellen, mit dem Faschingsnarren, mit dem Gescheiterten, mit dem Hoffenden...
 
Emmaus will unseren Blick auf Orte des Brotbrechens in der heutigen Welt lenken: Solidarität mit Menschen in Syrien, in Mali, im Gazastreifen...
 
Ebenso: Leben teilen alltäglich hier bei uns in einfachen Begegnungen. Emmaus heißt: Christus entdecken, wo immer Menschen radikal Brot des Lebens brechen. Kirche geschieht dort, wo Menschen dem brotbrechenden Jesus nachfolgen.
 
Emmaus ruft uns auf zur Wandlung von der liturgiebetonten „Komm-her-Kirche“ zur besuchenden und Leben teilenden „Geh-hin-Kirche“.
 
Solche Begegnung mit dem „Brotbrechenden“ kann nicht einfach „geleistet“ werden, es ist unverdientes Geschenk!
 
So grüßt Dich
in osterfröhlicher Gelassenheit
Bernhard 

Wir feiern das Fest des Ziehen-Lassens! Nein - nicht die Markteinführung einer neuen Teesorte mit besonderem Aroma nach langem Ziehen-lassen.

 

Christi Himmelfahrt heißt nicht weniger als Gott gehen lassen aus unserer Welt. Es ist das Fest des Ziehen-Lassens vergangener Gotteserfahrungen, des Loslassens unserer  liebgewonnenen Vorstellungen und Fixierungen.

 

Erst dann kann uns das tiefste Geheimnis unseres Lebens neu begegnen im Unerwarteten - die Bibel nennt es: Er- fahrung des Heiligen Geistes.

 

Natürlich beziehen wir uns als ChristInnen auf den konkreten

Menschen Jesus von Nazareth, auf seine Botschaft vom Reich Gottes und sein tragisches Schicksal in Palästina vor 2000 Jahren.

 

Doch: ChristInnen sind keine rückwärtsgewandten Wort-klauber und Traditionskleber. Wir sind zu allen Zeiten herausgefordert, die Gegenwart Gottes im Neuen zu erfahren und zuzulassen.

 

Unsere Welt ist von rasantem Wandel geprägt, das verunsichert viele. Schwarz-Weiß-Maler in der Politik haben weltweit Hochkonjunktur. Da werden Asylanten als Boten einer multikulturellen gemeinsamen Welt leicht zu Opfern unserer Kleinkariertheit.

 

In allen Religionen sind fundamentalistische Strömungen auf dem Vormarsch: Gott wir festgeschrieben in vergangenen Zeiten, zugemauert mit den Grabsteinen unserer Sicherheiten.

 

Vereinfachte Lösungen und vereinfachte Wahrheiten aber

werden uns im Leben nicht und im Glauben nicht stärken.

 

Pfingsten heißt:

...die Gegenwart Gottes in den Stürmen von heute erwarten

...geduldig die gegenwärtigen Sprachen Gottes erlernen

...die Glaubenssinne öffnen für das Aroma Gottes heute...

 

das erhofft mit dir

für deine meine unsere Welt

 

Bernhard